Zur Entwicklung des Selbstlernzentrums – Ein Bericht von Susanne Niestrath

Der Raum des heutigen Selbstlernzentrums der Olof-Palme-Gesamtschule war seit der Eröffnung des Oberstufenhauses im Jahr 1994 eine Präsenzbibliothek für Lehrer. Der Raum war voller Regale mit Büchern, Fachzeitschriften, Unterrichtsmaterialien und Loseblattsammlungen für alle Fachrichtungen. Außerdem gab es ein paar wenige Tische und Stühle. In den letzten Jahren wurde die Bibliothek immer weniger gebraucht. Sie „verwaiste“ zunehmend: eine Zeitlang gab es ein paar Computertische, an denen Schüler unter Aufsicht arbeiten konnten. Es musste also etwas passieren, denn eigentlich ist es einer der schönsten Räume der Schule: zentral, groß, ruhig gelegen und mit Blick ins Grüne.
Es entwickelte sich die Idee eines Selbstlernzentrums für Schüler und es wurde meine Aufgabe, ein Konzept dafür zu entwickeln.
Gemeinsam mit den Oberstufenschülern, aber auch den Kollegen wurden Ideen und Wünsche gesammelt. Für die Kollegen entstand in einem kleinen, hinteren Teil ein Ruheraum, der größere Teil sollte zunächst nur von den Oberstufenschülern zu nutzen sein.
Anhand der Befragung der Schüler wurde schnell klar, was die OPG brauchte: es sollte ein Raum werden, in dem man ganz in Ruhe und eher alleine an seinen Aufgaben arbeiten kann. Es sollte Computertische geben, abgetrennte Arbeitsbereiche, ein paar Regale, aber keine vollgestopften Bücherregale mehr.
Mit dem Wissen um die zunehmende Digitalisierung an der Schule und die Möglichkeiten per WLAN mobiler und unabhängiger von festinstallierten Computern zu sein, die auf Schreibtischen stehen, traten andere Lernsituationen in den Vordergrund.
In den letzten zwei Jahren wurde deutlich, dass Schüler, aber auch Lehrer, nicht immer am Schreibtisch sitzen, wenn sie arbeiten. Texte werden auf dem Sofa sogar im Liegen gelesen. Der Laptop ruht auf den hochgelegten Beinen, während die Deutschanalyse bequem zurückgelehnt im Sessel getippt wird. Viele machen es sich beim Lernen gern gemütlich.
Bei den Gesprächen mit den Oberstufenschülern wurde auch deutlich, dass ihnen bequeme Sitzgelegenheiten, vernünftige Schreibtische und auch Schreibtischstühle wichtig sind, denn in den Klassenräumen heißt es stundenlang auf einfachen Holzstühlen zu sitzen an starren relativ kleinen Tischen. Der Raum sollte daher zum Aufenthalt motivieren, einladend sein. Die Schüler wollen sich wohlfühlen.
Bei meinen Recherchen landete ich auch auf der Homepage von FEBRÜ und kannte daher auch bereits das Angebot an Lounge-Möbeln.
Aufgrund der knappen finanziellen Mittel schien uns für die Einrichtung zunächst nur eine Mischung aus noch vorhandenen Möbeln und einzelnen Neuanschaffungen im Bereich der Lounge-Möbel, also Sessel, Hocker, Sitzsäcke etc. möglich.
Dann bekam ich im Frühling 2020 von unserem Schulleiter Oliver Leimbrok die Information, dass FEBRÜ wohl daran interessiert wäre, in der OPG einen Showroom einzurichten.
Eine Woche später fand bereits der erste Termin vor Ort statt: Herr Kröger und Frau Scholz-Mikulski kamen zur OPG. Wie sagt man Neudeutsch? Eine Win-Win-Situation. In meiner Vorstellung entstanden lauter Wohlfühl-Räume, sogar in den Fluren. Die Idee von Selbst-Lern-Räumen wollte ich auch für die Unterstufe und die Mittelstufe langfristig erweitern. Bisher ging es ja vorrangig nur um die ehemalige Bibliothek und ein Selbstlernzentrum für die Oberstufe. Schon länger vermisste ich aber auch für die jüngeren Schüler gemütliche Lernecken im Klassenraum und außerhalb. 
Nachdem Inklusion in den Regelschulen Alltag geworden ist, muss doch entsprechend der stetig vielfältiger werdenden Schülerschaft auch die Lernumgebung vielfältiger werden. Die unterschiedlichen Unterrichtsphasen zeigen ganz klar auf: Tische müssen klappbar, leicht umstellbar und schnell wegzuräumen sein, damit Platz für Spiel und Vorführungen entstehen kann. Sichtschutz und Trennwände sorgen für weniger Ablenkung, weniger Störungen und dadurch mehr Ruhe. Abgetrennte Bereiche ermöglichen auch die Gleichzeitigkeit von relativ ungestörter Konzentration auf der einen Seite des Sichtschutzes und leise Gespräche innerhalb der Tischgruppe auf der anderen Seite.
Der erste Entwurf kam etwa 10 Tage später und traf voll ins Schwarze. Begeisterung pur bei allen, die einen Blick in das Planungsalbum werfen durften. Kollegen und Schüler entwickelten inspiriert durch den ersten Entwurf weitere Ideen und mein Besuch in der Ausstellung bei FEBRÜ, dem dann eine überarbeitete Version folgte, stellte einen noch stärkeren Mix der verschiedenen Sitz- und Arbeitsmöglichkeiten dar und das sogar inklusive der OPG-Farben Gelb und Blau.
Die Firma FEBRÜ erklärte sich bereit, die Gesamtkosten der Einrichtung mit 10.000€ zu sponsern und den Aufbau kostenfrei durchzuführen. Nachdem auch die Schulkonferenz dem Vorhaben und seiner Finanzierung ihre Zustimmung gegeben hatte, konnte der Auftrag im November 2021 an FEBRÜ erfolgen.
Da die Schüler der OPG mittlerweile alle über ein digitales Endgerät verfügen und Bücher und Schreibmaterial deutlich weniger geworden sind, braucht es nur wenig Regal- und Schrankfläche. Dafür ergibt sich wieder mehr Platz für größere Abstände zwischen den Arbeitsbereichen und entsprechenden Sichtschutz. Beim Probesitzen in der Ausstellung wurde der geräuschsenkende Effekt der dicken Stoffwände ganz unmittelbar bei den Lernhäuschen, den „Lodges“, deutlich.
Nach dem Aufbau der Einrichtung im November waren die SV-Schüler die ersten, die sich im Selbstlernzentrum umsehen durften. Sie waren begeistert und drängten auf die Eröffnung, um hier in Ruhe lernen zu können. Sie wollten auch Verantwortung für die Pflege des Raumes übernehmen, wünschten sich noch einen Staubsauger, eine Uhr und Grünpflanzen. Ihre Aufgabe ist es auch, die Nutzungsbedingungen festzulegen und einzuhalten. Die jetzt geltenden Regeln kann ich voll unterschreiben: es gilt ein Ruhegebot wie zum Beispiel in einer Bibliothek an der Uni und es darf dort nicht gegessen und getrunken werden.
Der Raum kann zu den normalen Öffnungszeiten der Schule genutzt werden und bietet etwa 15 Schülern gleichzeitig Platz. Der Zuspruch ist sehr erfreulich, einige Schüler nutzen den Raum jetzt vor Unterrichtsbeginn und in den Freistunden bereits regelmäßig. Die sehr positiven Rückmeldungen der Schüler zeigen, wie überfällig dieser Schritt insbesondere für eine Schule mit Ganztag, also bis 15.45 Uhr ist. Aber auch Kollegen fragen bereits vorsichtig nach, ob es ihnen ebenfalls erlaubt ist, in dem neuen Selbstlernzentrum zu arbeiten…..Da müssen sie jetzt wohl die Schüler fragen.

Hier finden Sie zusätzlich einen Bericht der Neuen Westfälischen.