Palme, auf der Bühne

…schö­ner kann man nicht in die Feri­en star­ten.

Schon am Mon­tag­mor­gen lag ein ganz eige­nes Krib­beln über der Schu­le. Die tra­di­tio­nel­le mon­täg­li­che Gene­ral­pro­be ver­wan­del­te die Aula in einen Bie­nen­stock: ein ste­tes Kom­men und Gehen, Nach­jus­tie­ren, Fein­schlei­fen, dazwi­schen Lam­pen­fie­ber und Vor­freu­de in unge­fähr glei­chen Tei­len. Wer an die­sem Tag durchs Haus lief, konn­te es förm­lich spü­ren – hier ent­steht etwas mit viel Herz und Lei­den­schaft. Und am Abend war es dann so weit: „Pal­me, auf der Büh­ne“, unse­re gro­ße Jah­res­ab­schluss­show, in der so vie­le Men­schen der OPG zei­gen kön­nen, was in einem Schul­jahr alles ent­ste­hen kann.

Durch den Abend führ­ten die Ach­te­rin­nen und Ach­ter aus dem DG-Kurs – char­mant, wit­zig und für ihr Alter erstaun­lich pro­fes­sio­nell, sicher und frei. Wer vor 400 Men­schen so gelas­sen mode­riert, muss sich um sei­ne Zukunft wenig Sor­gen machen.

Einer der ers­ten Momen­te gehör­te Ema­nue­le am Flü­gel. Ein Cho­pin-Wal­zer in e‑Moll, wirk­lich vir­tu­os gespielt – und das, obwohl er erst seit vier Mona­ten Kla­vier lernt. Wer in den letz­ten Wochen durch die Schu­le ging, hat­te ihn viel­leicht schon gehört: In den Pau­sen klang sein Spiel durch die lee­re Aula, erst ganz allein, spä­ter mit wach­sen­dem Publi­kum, wäh­rend er völ­lig ver­sun­ken und welt­ver­ges­sen prob­te. Was gibt es Schö­ne­res, als in jeder Ecke der OPG Men­schen zu fin­den, die ihren Lei­den­schaf­ten nach­ge­hen?

Die 6 Cie­lo brach­te anschlie­ßend eine bun­te Ball­cho­reo­gra­fie auf die Büh­ne, ganz anders als alles davor und gera­de des­halb so stim­mig. Denn mit Vol­ley­bäl­len lässt sich offen­bar genau­so viel Freu­de machen wie mit Flü­geln. Danach wur­de es mär­chen­haft. Der DG-Kurs des zehn­ten Jahr­gangs zeig­te sein Aschen­put­tel, und mit­ten­drin glänz­te Sarah Bosic mit einer unfass­bar kla­ren, prä­sen­ten Stim­me. So eine zier­li­che Per­son, und so viel Stim­me! Ganz wun­der­bar in Sze­ne gesetzt von Frau Sewruk, die ein­mal mehr bewie­sen hat, was gute Musik­päd­ago­gik aus­macht. Sie macht Schü­le­rin­nen und Schü­ler groß, zeigt ihnen ihre Poten­zia­le und hilft, sie zu ent­fal­ten. Sol­che Kol­le­gin­nen tra­gen einen Abend.

Bei der 7 Aru­na gehör­te die Büh­ne dem Fuß­ball. Die Jungs fei­er­ten tan­zend und mit viel Mut ihre Lie­be zum Spiel, die Mäd­chen pack­ten dazu ihre Moves zu fet­ten Beats aus. Jazz­dance traf Fan­cho­reo, und bei­de ver­stan­den sich präch­tig.

Dann haben wir Lehr­kräf­te uns tat­säch­lich auch getraut und einen raus­ge­hau­en: Frau Sewruk, Herr Kiel und Herr Loh­mei­er spiel­ten „As Time Goes By“. Manch­mal braucht es eben nicht mehr als ein Kla­vier, ein Saxo­phon und einen Bass, um einen gan­zen Saal ins Träu­men zu brin­gen. Seht Ihr – wir kön­nen das auch. Ein biss­chen zumin­dest.

Zurück zu den ech­ten Pro­fis: Die 7 DG zeig­te eine selbst aus­ge­dach­te Tanz­cho­reo­gra­fie zu wum­mern­den Bäs­sen – ener­gie­ge­la­den, ein­drucks­voll und für so jun­ge Jah­re schon erstaun­lich pro­fes­sio­nell insze­niert.

Für die Lacher mit Nach­hall sorg­te die Kaba­rett-AG, die gemein­sam mit dem Autor Micha­el Helm ent­wi­ckelt hat, was „Mis­ter KI“ so alles kann: Der ist näm­lich klü­ger als Wiki­pe­dia, klü­ger als wir Pau­ker sowie­so, und kennt sogar den Satz des „Phan­to­mas… ähh: Pytha­go­ras“. Er chauf­fiert die gan­ze Fami­lie auto­nom und tie­fen­ent­spannt in den Urlaub – statt Falk­plan und Schimp­fen über Dräng­ler kann Papa jetzt gemüt­lich stri­cken, wäh­rend sich die Fami­lie im selbst­fah­ren­den Auto zuneh­mend lang­weilt. Am Ende über­nimmt die KI alle Auf­ga­ben, die Men­schen wer­den zu Arbeits­skla­ven degra­diert – und ganz zum Schluss stirbt der Mensch. Kaba­rett eben: Erst lacht man, dann bleibt einem das Lachen ein klei­nes biss­chen im Hal­se ste­cken.

Berüh­rend wur­de es wie­der am Flü­gel, als mit Eve­lyn eine sehr jun­ge Pia­nis­tin den Gram­mo­phon­wal­zer spiel­te. Und kaum war der letz­te Ton ver­klun­gen, wur­de mar­schiert: Die 5 Tor­tu­ga zeig­te beim Radetz­ky­marsch mit Body Per­cus­sion, was in ihr steckt – und das ist eine gan­ze Men­ge.

Ein Höhe­punkt des Abends kam vom DG-Kurs des neun­ten Jahr­gangs: „Die Kin­der von Vene­dig“, ein Aus­zug aus einem selbst gebau­ten Thea­ter­stück frei nach „Herr der Die­be“. Sphä­ri­sche Klän­ge und die sono­re Stim­me des Kom­mis­sars lei­te­ten ein, dann ent­fal­te­te sich eine stim­mungs­vol­le, inten­si­ve Insze­nie­rung. Eine DG-Grup­pe mit so vie­len so prä­sen­ten Dar­stel­le­rin­nen und Dar­stel­lern – Aus­druck, Mimik, Stim­me, Ener­gie, jede Bewe­gung saß. Ein rich­ti­ges Ensem­ble mit anste­cken­der Spiel­freu­de. Und das alles in zwei Stun­den DG pro Woche! Eine gro­ße Ver­nei­gung vor Frau Groß­estreu­er und Frau Voigt, die mit uner­müd­li­cher Arbeit und Elan die­sen jun­gen Men­schen die Mög­lich­keit geben sich zu ent­fal­ten und zu zei­gen, was in ihnen steckt.

Auch die Musik-AG stand mit Schlag­zeug, Key­board, Tanz und Live­ge­sang mutig auf den Bret­tern, die die Welt bedeu­ten. Wie viel Über­win­dung es kos­tet, in so jun­gen Jah­ren live zu sin­gen, kann man kaum über­schät­zen. Dass unse­re Musik­kol­le­gin­nen und ‑kol­le­gen die­sen Stim­men eine Büh­ne bie­ten und sie dabei beglei­ten, macht musi­ka­li­sche Bil­dung an der OPG so leben­dig, und die Freu­de an der Musik war jeder Sekun­de des Auf­tritts anzu­se­hen.

Und manch­mal braucht es eben nur ein Mikro, einen Spot und eine Stim­me: Lind­say, gera­de eben noch als Stra­ßen­kind im Thea­ter­stück unter­wegs, ver­wan­del­te sich in eine Soul­di­va. Ganz allein vor 400 Men­schen sang sie „I Should Have Chea­ted“ – stimm­ge­wal­tig, bewe­gend, unver­gess­lich.

Ein rie­si­ges Dan­ke­schön geht an den För­der­ver­ein und die SV, die uns in der Pau­se mit Speis und Trank ver­sorgt haben. Und natür­lich an unse­re Tech­ni­ker, die Jungs im Hin­ter­grund an den Knöp­fen der Macht: Licht, Ton, Requi­si­te – immer zur Stel­le, immer auf Draht, mit Augen und Hän­den über­all. Ohne sie geht an so einem Abend gar nichts.

Am Ende blieb das Gefühl, das sol­che Aben­de an der OPG immer hin­ter­las­sen: Hier haben vie­le Hän­de, Stim­men und Ideen gemein­sam etwas Gro­ßes gebaut. Fried­lich haben alle zusam­men­ge­ar­bei­tet, freund­lich ein­an­der durch Lam­pen­fie­ber und Umbau­pau­sen gehol­fen – und fröh­lich sind am Ende alle nach Hau­se gegan­gen. Bis zur nächs­ten Pal­me, auf der Büh­ne!

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