Der Pädagogik-Leistungskurs der Q2 erhielt am Donnerstag, 04.12. die Gelegenheit, das Amtsgericht Herford zu besuchen und dort zwei Gerichtsverhandlungen live mitzuerleben. Für die Schülerinnen und Schüler bot sich damit nicht nur ein authentischer Einblick in die Arbeitsweise der Justiz, sondern auch eine praxisnahe Ergänzung zu den theoretischen Inhalten des Unterrichts rund um die Entstehung und Prävention von delinquentem Verhalten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die erste Verhandlung befasste sich mit gefährlicher Körperverletzung, die zweite mit der Fälschung von Accounts, mit denen der Angeklagte unrechtmäßig Bahntickets erworben hatte. In beiden Fällen wurden die Angeklagten nach Jugendstrafrecht verurteilt. Die Urteile verdeutlichten den erzieherischen Charakter dieses Rechtsbereichs, der weniger auf Strafe als vielmehr auf Förderung einer positiven persönlichen Entwicklung abzielt. Für den Kurs war es besonders interessant zu erleben, wie die Verhandlung dieses Prinzip immer wieder in den Fokus stellte. Ein wertvoller Teil des Besuchs war der zusätzlich der Austausch mit der Richterin, dem Verteidiger und dem Staatsanwalt. Sie nahmen sich Zeit, um die Fragen der Schülerinnen und Schüler zu beantworten und gaben dabei einen vielschichtigen Einblick in ihre Arbeit und in die Hintergründe delinquenten Verhaltens, die häufig in sozialen Netzwerken und auch Drogenmissbrauch zu finden sind.
Die Verhandlungen und besonders auch die Berichte der Jugendgerichtshilfe machten deutlich, dass Jugenddelinquenz häufig aus komplexen sozialen und persönlichen Umständen entsteht. Dabei wurden besonders familiäre Belastungen, schulischen Schwierigkeiten und instabile Beziehungen zu Bezugspersonen thematisiert. Die lebensnahen Schilderungen der Biografien beider Angeklagten machten deutlich, wie bedeutsam individuelle Entwicklungsverläufe für das Verständnis von Delinquenz sind.
Für den Leistungskurs ergaben sich hier zahlreiche Anknüpfungspunkte an Unterrichtsinhalte. So wurde theoretisches Wissen unmittelbar erfahrbar und mit realen Lebenssituationen verknüpft.
Der Ausflug bot damit nicht nur juristische Eindrücke, sondern vor allem eine nachhaltige Lernerfahrung an der Schnittstelle zwischen Theorie und Lebenswirklichkeit.
(Bericht von Kurslehrerin Petra Rodeland-Hönig)


Comments are closed