Ein Abend, der bleibt

Unser Weih­nachts­abend an der OPG.

Es ist Dezem­ber. Die letz­te Schul­wo­che ist ange­bro­chen, und die Aula pul­siert schon den gan­zen Tag vor Auf­re­gung, Vor­freu­de und Lam­pen­fie­ber. Immer wie­der zie­hen geschäf­ti­ge Schü­ler­grup­pen durch die Flu­re, tra­gen Requi­si­ten, pro­ben Tex­te, rich­ten Kos­tü­me und stim­men sich ab. Die­se geschäf­ti­ge Unru­he schafft Gemein­schaft – ein Gefühl von Ver­ant­wor­tung, Zusam­men­halt und gespann­ter Erwar­tung. Alle spü­ren: Heu­te ist ein beson­de­rer Tag.

Es ist Zeit für unse­ren Weih­nachts­abend. Seit vie­len Jahr­zehn­ten mar­kiert er ver­läss­lich den Abschluss der Vor­weih­nachts­zeit und bil­det einen fes­ten, lieb­ge­won­ne­nen Höhe­punkt im Schul­jahr.

An die­sem Mon­tag­abend führ­ten Engel, Elfen und Weih­nachts­men­schen aus dem 10er-eG-Kurs durch das Pro­gramm. Char­mant, wit­zig und manch­mal ein wenig auf­ge­regt – vor allem aber mit gro­ßer Sou­ve­rä­ni­tät. Sie gaben dem Abend einen siche­ren Rah­men, in dem sich die Viel­falt unse­rer Schu­le ent­fal­ten konn­te.

Wie es sich für einen Weih­nachts­abend gehört, begann vie­les klas­sisch, besinn­lich und fei­er­lich. Beson­ders unse­re Ober­stu­fe präg­te die­sen Ton: Die Q2 eröff­ne­te den Abend mit einem ruhi­gen Key­board-Stück, die EF lud mit Feliz Navi­dad zum Mit­sin­gen ein, und der Lite­ra­tur­kurs wag­te sich an ein Krip­pen­spiel in moder­nem Gewand. Es war wohl­tu­end zu erle­ben, wie jun­ge Erwach­se­ne die Weih­nachts­bot­schaft ernst­haft auf­grif­fen und aus dem oft kind­lich ver­klär­ten Rah­men lös­ten. In einer der Rol­len fiel ein Satz, der hän­gen blieb:
„Ich habe zwar nicht alles ver­stan­den, aber es fühlt sich gut an, Teil von etwas Grö­ße­rem zu sein.“

Die­se Fei­er­lich­keit zog sich durch den gesam­ten Abend: im vier­stim­mi­gen Leh­rer­chor, in den besinn­li­chen Gedan­ken jun­ger „Ker­zen­lich­ter“, in klei­nen Weih­nachts­ge­dich­ten – und in einer muti­gen, stimm­star­ken Inter­pre­ta­ti­on von Leo­nard Cohens Hal­le­lu­jah, vor­ge­tra­gen von Sara und Rayan. Zwei Stim­men, Gitar­re und Kla­vier – manch­mal braucht es nicht mehr, um einen Raum still wer­den zu las­sen.

Und doch ist die­ser Weih­nachts­abend immer auch mehr als Besinn­lich­keit. Drei Stun­den Pro­gramm dür­fen fröh­lich, kri­tisch und spek­ta­ku­lär sein. Die Büh­ne gehör­te an die­sem Abend eben­so tan­zen­den Fünft­kläss­lern im Schlaf­an­zug, rhyth­mi­schen Cho­reo­gra­fien vol­ler Herz und der Zir­kus-AG mit beein­dru­cken­der Lei­ter­akro­ba­tik. Mit Mut, Kör­per­span­nung und erstaun­li­cher Leich­tig­keit beweg­ten sich die jun­gen Artis­tin­nen und Artis­ten über frei­ste­hen­de Lei­tern – schwe­re­los, kon­zen­triert und vol­ler Ver­trau­en inein­an­der.

Erfri­schend, absurd und zugleich kri­tisch waren die Bei­trä­ge der Kaba­rett-AG und der Lesescouts. Mit Wort­witz, Prä­senz und Tem­po hiel­ten sie dem Publi­kum den Spie­gel vor: Weih­nacht­li­cher Kon­sum­rausch trifft auf völ­lig über­la­de­ne Alles­kön­ner-Gad­gets. Am Ende blieb die Erkennt­nis, dass viel­leicht aus­ge­rech­net das schöns­te Geschenk eine „Lam­pe in Form einer Lam­pe“ ist – ohne WLAN, ohne KI, ohne tau­send Funk­tio­nen. Auch das kann eine Weih­nachts­bot­schaft sein.

Zwei beson­de­re Höhe­punk­te lie­ßen den Abend schließ­lich förm­lich explo­die­ren. Die Büh­ne unse­rer Aula ist groß – und doch wur­de spür­bar: Man­che Talen­te brau­chen noch grö­ße­re Räu­me. Maya und Lind­say gehö­ren zwei­fel­los dazu. Bereits im ver­gan­ge­nen Jahr begeis­ter­ten sie mit einer selbst ent­wi­ckel­ten Con­tem­po­ra­ry-Cho­reo­gra­fie, fern­ab gän­gi­ger Show­for­ma­te. Auch dies­mal über­zeug­ten sie mit Inten­si­tät, Prä­zi­si­on, Timing und Aus­drucks­kraft auf höchs­tem Niveau.

Doch damit nicht genug: Lind­say sang – mutig, kraft­voll, berüh­rend. Gemein­sam mit Maya und wei­te­ren Tän­ze­rin­nen ent­stand eine Per­for­mance, die in ihrer Qua­li­tät und Emo­tio­na­li­tät schlicht über­wäl­ti­gend war. So viel Talent, Hin­ga­be und Aus­druck in einem ein­zi­gen Auf­tritt zu erle­ben, macht demü­tig. Die­se jun­gen Künst­le­rin­nen brau­chen grö­ße­re Büh­nen – die Bret­ter, die die Welt bedeu­ten.

Zum Abschluss brach­te der Leh­rer­chor noch ein­mal zusam­men, was die­sen Abend aus­mach­te: Gemein­schaft. Mit einem selbst­ge­dich­te­ten Lied, gemein­sam gesun­gen mit vie­len Schü­le­rin­nen und Schü­lern, erklang „OPG im Weih­nachts­fie­ber“. Unser didak­ti­scher Lei­ter, Herr Pau­li­ni, nutz­te die­sen Moment, um allen Betei­lig­ten zu dan­ken. Ein star­kes, bewe­gen­des Schluss­bild.

Seit Jahr­zehn­ten ist die­ser Weih­nachts­abend Tra­di­ti­on. Und jedes Jahr ist er anders. Doch eines bleibt gleich: Er zeigt, wie bunt, enga­giert und leben­dig unse­re Schu­le ist – und wie viel Herz in ihr steckt.

Wei­te­re Impres­sio­nen

Tags:

Comments are closed