Gedanken zum Gesellschaftsjahr

“In letz­ter Zeit hört man öfter, dass die Wehr­pflicht viel­leicht wie­der ein­ge­führt wer­den soll”

In den ver­gan­ge­nen Wochen wird in Poli­tik und Medi­en wie­der ver­stärkt dar­über dis­ku­tiert, ob die Wehr­pflicht in Deutsch­land erneut ein­ge­führt oder durch ein all­ge­mei­nes Gesell­schafts­jahr ersetzt wer­den soll­te. Auch die Schü­le­rin­nen und Schü­ler der Klas­se 10bibo setz­ten sich im Unter­richt inten­siv mit die­sem The­ma aus­ein­an­der.

Dabei ent­stand eine leb­haf­te und gut begrün­de­te Dis­kus­si­on, in der unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven auf­ge­grif­fen und kri­tisch bewer­tet wur­den.

Im fol­gen­den Bei­trag lesen Sie das per­sön­li­che State­ment eines Schü­lers, der sei­ne Sicht auf die aktu­el­le Debat­te for­mu­liert:

Wim Wömp­ner (Klas­se 10 bibo)

In letz­ter Zeit hört man öfter, dass die Wehr­pflicht viel­leicht wie­der ein­ge­führt wer­den soll. Poli­ti­ker dis­ku­tie­ren dar­über, ob Deutsch­land bes­ser vor­be­rei­tet sein müss­te und ob es bei der Bun­des­wehr nicht lang­sam an Leu­ten fehlt.

Ich muss ehr­lich sagen: Die Mus­te­rung an sich fin­de ich gar nicht so schlecht. Es wäre schon span­nend zu erfah­ren, wie fit man wirk­lich ist.Das hät­te irgend­wie auch etwas Her­aus­for­dern­des. Aber nur wegen die­ser Neu­gier wie­der eine Wehr­pflicht ein­zu­füh­ren, bei der man am Ende haupt­säch­lich beim Mili­tär lan­det? Das passt mei­ner Mei­nung nach nicht mehr rich­tig zu unse­rer Zeit.

Viel sinn­vol­ler fän­de ich ein Gesell­schafts­jahr, also eine Pflicht, die für alle gilt, aber bei der man selbst wäh­len kann, in wel­chem Bereich man hel­fen möch­te. War­um soll­te Pflicht auto­ma­tisch hei­ßen: „Hier ist dei­ne Uni­form, bit­te zum Appell antre­ten“? Ver­ant­wor­tung kann man auch ganz anders über­neh­men, und zwar so, dass wirk­lich vie­le Men­schen etwas davon haben.

In so einem Gesell­schafts­jahr könn­te man zum Bei­spiel in einem Alten­heim unter­stüt­zen. Dort gibt  vie­le Men­schen die froh sind, wenn sich jemand Zeit nimmt und hilft Oder man arbei­tet in einer Kita, einer Schu­le oder in einer Ein­rich­tung für Men­schen mit Behin­de­rung. Auch sozia­le Pro­jek­te, Jugend­zen­tren oder Kran­ken­häu­ser könn­ten Leu­te gut gebrauchen.Wer Lust auf Bun­des­wehr hat, soll­te trotz­dem dort­hin gehen dür­fen. Es geht nicht dar­um, jeman­dem etwas weg­zu­neh­men, son­dern dar­um, mehr Mög­lich­kei­ten zu schaf­fen.

Ich glau­be wirk­lich, dass so ein Jahr viel brin­gen wür­de  nicht nur der Gesell­schaft, son­dern auch jedem ein­zel­nen. Man wür­de Men­schen ken­nen­ler­nen, mit denen man sonst nie Kon­takt hät­te. Man wür­de erle­ben, wie viel man selbst bewe­gen kann, ohne dass man dafür irgend­ei­nen beson­de­ren Abschluss braucht. Und man wür­de viel­leicht zum ers­ten Mal rich­tig ver­ste­hen, wie wich­tig Zusam­men­halt ist. Ich ken­ne vie­le in mei­nem Alter, die ehr­lich sagen, dass ihnen ein biss­chen Ori­en­tie­rung gut tun wür­de. Ein Gesell­schafts­jahr könn­te genau das bie­ten.


Für mich steht jeden­falls fest: Wenn es wie­der eine Pflicht geben soll, dann bit­te eine, die wirk­lich Sinn macht. Eine, die nicht nur der Bun­des­wehr hilft, son­dern der gan­zen Gesell­schaft. Ein Gesell­schafts­jahr könn­te genau das sein.

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